© Alain Julien

Sonntag 17. Juli 2016 | 18:00 h
Kunsthalle Lingen

Alla turca-Hamonie
OSLO KAMMERAKADEMI

Was heute Techno und Hard Rock wären, war in den Türkenkriegen die Janitscharenmusik: Nicht bloß zur Unterhaltung gespielt, riss sie die aktive Truppe mit, motivierte die Kämpfer für die Schlacht, lenkte ihren Schritt im Angriff. In Westeuropa war die Musik, die Kultur des Erzfeinds als alla turca-Geschmack en vogue. So kam die Militärmusik der Osmanen als „türkische Musik“ auch bei den Wiener Klassikern zum Zuge, zumeist um einen Bruch zwischen dem Vertrauten und Exotischen zu kreieren, aber auch, um das Wilde, das Kriegerische musikalisch zu malen. Berühmt dafür Haydns Militärsinfonie: „Zugabe! Zugabe! Zugabe!“, hieß es anlässlich Londoner Aufführung 1794. „Es ist das Anrücken zum Gefecht, der Marsch der Männer, das Geräusch des Ladens, der Donner des Beginns, das Klirren der Waffen, das Stöhnen der Verwundeten und das, was man als das höllische Gebrüll des Krieges bezeichnet – gesteigert zu einem Höhepunkt von scheußlicher Eindringlichkeit!, die, wenn andere sie sich vorstellen können, nur Haydn allein ausführen kann“.

T.O. Larsen hat Haydns Sinfonie „auf die Harmonie gesetzt“, für die Oslo Kammerakademi arrangiert – eine Praxis, die ab etwa 1770 in Wien entstand, als man große Werke für die „Harmoniemusik“, ein Bläseroktett plus Kontrabass, arrangierte, um sie aus den großen Sälen ins noble Heim zu holen. Ein lukratives Geschäft für die Profiarrangeure, bei dem die Komponisten leer ausgingen. Mozart aber hat vermutlich selber, aus Geldnot und weil die Premiere ein Hit war, Die Entführung aus dem Serail bearbeitet: „bis Sonntag acht tag muß meine Opera auf die harmonie gesezt seyn – sonst kommt mir einer bevor – und hat anstatt meiner den Profit davon (…) sie (Vater) glauben nicht wie schwer es ist so was auf die harmonie zu setzen – daß es den blasinstrumenten eigen ist, und doch dabey nichts von der Wirkung verlorengeht“. Die Entführung bietet Janitscharenmusik vom Feinsten – und der Pascha ist am Ende großmütig und großzügig. Wie Mozarts Singspiel handelt Rossinis Italienerin in Algier vom Freikommen einer schönen Frau aus der Macht eines orientalischen Fürsten, ein Reflex der Orient- insbesondere Nordafrikabegeisterung des frühen 19. Jhs.

An die letzten Tage des Sultans Selim III., der zur Zeit Mozarts und Haydns und der Französischen Revolution Sultan des Osmanischen Reiches war, knüpft der türkische Komponist Mert Karabey an. Unter Selim III. war die „Überzeugung gewachsen, dass das, was den Westen hat aufsteigen lassen, auch, vorsichtig umgesetzt, den Osten wiederbeleben könnte. Selim war ein hoch gebildeter Mann, ein Förderer der Literatur und Komponist.” (K. Kreiser) Die Oslo Kammerakademi, eine der interessantesten „Harmonien“ der europäischen Klassikszene mit einigen der besten Bläser des Nordens, sucht die Harmonie zwischen Ost und West, Nord und Süd: „Die Verbreitung der Musik über Landesgrenzen und heimische Kultursphären hinaus ist eine Form kultureller Migration. Sollte sie nicht alte und neue Feindbilder in Frage stellen?“ (D. F. Strunck)

OSLO KAMMERAKADEMI
David Friedemann Strunck Künstlerische Leitung, Oboe
Jarl Eivin Aspen Oboe
Pierre Xhonnaux, Victor Alsén Klarinette
Steinar Granmo Nilsen, Niklas Grenvik Horn
Alessandro Caprotti, Trond Olaf Larsen Fagott
Tuumo Savolainen Kontrabass
Cathrine Nyheim Perkussion



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Adresse
Kunsthalle Lingen
Kaiserstraße 10a
49809 Lingen
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PROGRAMM
Gioacchino Rossini (1792–1868): Ouverture aus „L’Italiana in Algeri“, arr. Wenzel Sedlak (1776–1851)
Joseph Haydn (1732–1809): Sinfonie Nr. 100 G-Dur „Militärsinfonie“, arr. T. O. Larsen
Mert Karabey (*1976): Die letzten Tage Sultan Selims III.
Wolfgang A. Mozart (1756–1791): Harmoniemusik aus „Die Entführung aus dem Serail“ (Donaueschingen 1782, K 482, erg. T. O. Larsen)

In Kooperation mit Kunsthalle Lingen Kunstverein
und der Konzertreihe „Junge Virtuosen“
www.kunsthalle-lingen.de

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