© Fotos:Ira Weinrauch

Sonntag 21. August 2016 | 17:00 h
Haus Siekmann l Sendenhorst

Hot Sonate
KORYUN ASATRYAN Saxophon
JULIA GOLKOVAYA
Klavier


Milhaud, der mit seinem „Scaramouche“ dem komischen Abenteurer und Aufschneider der Commedia dell’Arte das Charakterstück schrieb – clownesk und lyrisch, frech und kantabel, klassisch, straßenmusikalisch, jazzig, brasilianisch –, das voller Purzelbäume und nicht zu schubladisieren ist, hat „nie verstanden, wie man zwei verschiedene Sorten Musik (klassische oder moderne Musik, ernste oder leichte Musik etc.) abgrenzen und festlegen kann. Das ist nicht gerecht“, bemerkte er. „Es gibt nur eine einzige Musik, und die kann man in einem Refrain im Kaffeehauskonzert oder in einer Operettenarie genauso gut finden wie in einer Sinfonie, einer Oper oder in einem Kammermusikwerk.“
Dem stimmen Koryun Asatryan und Julia Golkhovaya unumwunden zu. Klassisch ausgebildet und mit Preisen und Stipendien ausgezeichnet, er Lehrer an der Hochschule in München, sie in Düsseldorf, sind der armenische Saxophonist und die russische Pianistin dennoch in allen Stilen zuhaus. Neben Milhaud haben sie andere Komponisten im Programm, die die scaramuccia, das ‚Scharmützel‘, der eingefahrnen Musiken packend produktiv gemacht haben. Schon Schulhoffs Bindestrich-Titel lässt aufmerken. In seiner Hot-Sonate durchdringen die Jazzelemente die klassische Form so, dass das ganze Stück Tanz- und Jazzcharakter hat, Leichtigkeit, Spontaneität, ‚Hitze‘. Mit Schulhoff: „Kunst ist: Kunst nicht zur Kunst machen!” Auch der Grenzgänger und Saxophonvirtuose Itturalde scheint dies in seinem Czarda ernst zu nehmen. Dessen verträumt-elegischer Beginn ist ‚nur‘ der erwartungsschwangere Anlauf für einen wilden, ungarische Volksmusik beerbenden Tanz.
Ein Programm als Abenteuer, mitunter komisch, immer spannungsreich fesselnd. Aufschneiden und blenden à la Scaramouche tut darin allerdings niemand. Asatryan und Golkhovaya sind Musiker durch und durch: echte Virtuosen mit Seele und Verstand.


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Adresse
Haus Siekmann
Weststraße 18
48324 Sendenhorst
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PROGRAMM
Fernande Decruck (1896–1954): Sonate Cis-Dur
Maurice Ravel (1875–1937): Sonatine pour piano
Darius Milhaud (1892–1974): Scaramouche op. 165c
Erwin Schulhoff (1894–1942): Hot-Sonate a-Moll
Christian Lauba (*1952): Tadj, für Saxophon solo
Pedro Iturralde (*1929): Pequeña Czarda


In Kooperation mit dem Haus Siekmann e.V. | www.haus-siekmann.de

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